Doppelbelastung: Selbständig sein und Angehörige zu Hause pflegen — wie passt das zusammen?

Renée Huwe • 5. April 2026

Selbständigkeit und Pflege von Angehörigen – kein Widerspruch

Für viele Solo-Selbständige ist die Selbständigkeit Freiheit und Risiko zugleich: Du planst deine Arbeit flexibel, trägst Verantwortung — und oft fehlt dir ein stabiles Netz, wenn plötzlich Pflegeaufgaben dazukommen. In diesem Artikel zeige ich, wie groß das Thema wirklich ist, welche Zahlen und Studien es dazu gibt und welche konkreten Schritte dir helfen können, die Doppelbelastung zu managen.


Wie groß ist die Gruppe der Solo-Selbständigen?

Solo-Selbständige (also Selbständige ohne Angestellte) machen nach aktuellen Destatis-Angaben einen kleinen, aber relevanten Anteil der Erwerbstätigen aus: 2024 betrug ihr Anteil an allen Erwerbstätigen im Alter 15–64 Jahre etwa 3,6 %. Das heißt: Auch wenn die Gruppe zahlenmäßig nicht riesig ist, ist sie groß genug, um für Wirtschaft und Sozialsystem wichtig zu sein — und heterogen in Einkommen und Branchen.

Langfristig zeigen Analysen (z. B. DIW), dass Solo-Selbständigkeit in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, allerdings oft mit prekären Einkommenslagen in bestimmten Branchen. Viele Solo-Selbständige arbeiten in wissensnahen, kreativen oder dienstleistungsorientierten Bereichen — Felder, in denen auch Pflegeverpflichtungen die Erwerbsarbeit stark beeinflussen können.


Wer pflegt zu Hause — Frauen oder Männer?

Pflege ist in Deutschland weiterhin überwiegend Familiensache — und diese Arbeit übernehmen häufiger Frauen. Mehrere Studien decken das übereinstimmend auf: Rund 61 % der pflegenden Angehörigen sind Frauen, knapp 39 % sind Männer; Frauen investieren im Schnitt mehr Stunden pro Tag in Pflegeaufgaben (z. B. 2,9 h vs. 2,2 h). Damit leisten Frauen nicht nur häufiger, sondern auch intensiver Pflegearbeit.

Das hat Folgen: Weil Frauen häufiger Pflege leisten, sind sie in ihrer Erwerbsarbeit stärker betroffen — sei es durch Reduktion der Arbeitszeit, den Wechsel in Teilzeit oder durch vorübergehende oder dauerhafte Unterbrechungen der beruflichen Tätigkeit.


Schnittmenge: Solo-Selbständige und pflegende Angehörige — was sagen Studien?

Leider gibt es wenige groß angelegte Studien, die genau die Überschneidung „Solo-Selbständige und pflegende Angehörige“ statistisch sauber trennen. Trotzdem zeigen Übersichts- und Forschungsarbeiten deutlich:

  • Pflegende Angehörige stehen oft vor der Entscheidung, Arbeitszeit zu reduzieren oder Berufliches zu pausieren — das gilt gleichermaßen für Angestellte und für Selbständige. Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist eine zentrale Belastungsquelle und kann langfristige berufliche Nachteile nach sich ziehen.
  • Berichte und Policy-Analysen (z. B. ZQP) betonen, dass erwerbstätige Pflegende häufig externe Unterstützung nutzen, aber viele Hürden (Organisation, Kosten, Informationsdefizite) bestehen — für Solo-Selbständige können diese Hürden existenziell sein.

Eine relevante Erkenntnis: Pflegeaufwand führt häufig zu Reduktionen in der Erwerbsarbeit — das ist empirisch dokumentiert (z. B. in Auswertungen auf Basis des SOEP), und betrifft so auch Selbständige, die dann weniger Aufträge annehmen oder ihre Arbeitszeiten verringern müssen.


Warum trifft das Solo-Selbständige besonders hart?

  1. Keine Lohnfortzahlung / keine Arbeitgeber-Unterstützung. Angestellte können in bestimmten Fällen auf Pflegeurlaub, Lohnfortzahlung, oder soziale Absicherungen zurückgreifen — viele dieser Instrumente existieren für Selbständige nicht in gleicher Form.
  2. Einkommensschwankungen & Liquiditätsdruck. Solo-Selbständige haben häufig weniger Puffer — ein Wochenende mit Terminen weniger kann direkte finanzielle Folgen haben. Studien zeigen, dass Solo-Selbständige in bestimmten Branchen ohnehin niedrigere oder unsicherere Einkommen haben.
  3. Care-Last ist geschlechterungleich verteilt. Da Frauen überproportional Pflegende sind, trifft die Doppelbelastung besonders viele selbständige Frauen — mit Auswirkungen auf Stundenumfang, Einkommen und Altersvorsorge.


Konkrete Zahlen (kompakt)

  • Anteil Solo-Selbständige an Erwerbstätigen (2024): ca. 3,6 %.
  • Anteil Frauen unter Solo-Selbständigen: ~41 % (WSI-Analyse).
  • Anteil Frauen unter pflegenden Angehörigen: ~61 %, Frauen pflegen im Schnitt länger pro Tag.
  • Pflegebedingte Reduktion von Erwerbsarbeit: vielfach dokumentiert in Literatur & Berichten (Kuhlmey et al., ZQP, SOEP-Auswertungen).


Was kannst du konkret tun? (Praktische Schritte für Solo-Selbständige in der Pflege-Situation)

Kurzfristige Maßnahmen (Organisation & Aufträge)

  • Priorisiere Projekte: Welche To-dos müssen heute, welche diese Woche, welche diesen Monat erledigt werden?
  • Kommuniziere verbindliche Zeiten an Kund:innen (z. B. „Mo–Mi Vormittag: erreichbar“). Klare Grenzen schaffen Planbarkeit.

Finanz- und Vorsorgecheck

  • Prüfe Rücklagen-Strategie (Notfallreserve für 1–3 Monate).
  • Checke, ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung / Pflegezusatzversicherung sinnvoll ist.

Netzwerk & Delegation

  • Überlege, welche Aufgaben delegierbar sind (Buchhaltung, Social-Media-Planung, Recherchen) — z. B. an den Steuerberater, an eine virtuelle Assistenz.

Externe Unterstützungsangebote

  • Informiere dich über lokale Pflegedienste, Tagespflege, etc. Diese Angebote kosten, entlasten aber und erhalten deine Erwerbsfähigkeit. (Siehe ZQP / Kuhlmey für Hinweise zur Unterstützungsnutzung.) Lass dich beraten z. B. in Pflegestützpunkten.

Langfristige Strategie & Sichtbarkeit

  • Entwickle ein Minimum-Viable-Marketing (eine gut strukturierte Webseite + 1–2 Kanäle), damit du auch mit reduzierter Zeit Aufträge anziehen kannst. Studien zeigen: Solo-Selbständige sind oft digital aktiv — nutze einfache, wiederholbare Formate.
  • Prüfe, ob du eine zusätzliche,  zeitunabhängige Einkommensquelle (z.B. digitale Produkte) nutzen kannst.


Politische und strukturelle Lücken

Studien und Reports (DIW, ZQP, Kuhlmey) heben hervor, dass die Vereinbarkeit von Erwerb und Pflege strukturell verbessert werden muss — z. B. durch bessere Beratung, flexible Entlastungsangebote und finanzielle Absicherung. Für Solo-Selbständige fehlen oft maßgeschneiderte Lösungen; politische Diskussionen dazu laufen, konkrete Entlastungsangebote sind aber noch ausbaufähig.


Fazit

Die Doppelbelastung aus Selbständigkeit und häuslicher Pflege trifft vor allem diejenigen besonders hart, die keine Angestellten haben und keine stabilen sozialen Sicherungsnetze. Frauen sind überproportional betroffen — sie sind sowohl stärker in Solo-Selbständigkeit vertreten als auch häufiger pflegende Angehörige. Die vorhandenen Studien (Destatis, WSI, IW, Kuhlmey/ZQP) zeigen die Problemlage: Es braucht sowohl individuelle Strategien (Organisation, Delegation, Vorsorge) als auch bessere politische und lokale Unterstützungsangebote.


Quellenliste

  1. Destatis. (2024). Solo-Selbstständige in Deutschland. Statistisches Bundesamt. Abgerufen vonhttps://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-4/solo-selbstaendige.html
  2. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). (2023). Solo-Selbständigkeit: Freiheit oder Not? Abgerufen vonhttps://www.diw.de/de/diw_01.c.415716.de/solo_selbstaendigkeit_freiheit_oder_not.html
  3. Hans-Böckler-Stiftung / WSI. (2020). WSI Report Nr. 56: Selbstständige Frauen und Männer – mit und ohne Beschäftigte. Abgerufen vonhttps://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf
  4. Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln). (2019). Pflegende Angehörige: Arbeitszeit und Belastung. Abgerufen vonhttps://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/maximilian-stockhausen-susanna-kochskaemper-angehoerige-pflegen-drei-stunden-pro-tag.html
  5. Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). (2024). Solo-Selbstständigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft: Statusbericht. Abgerufen vonhttps://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Publikationen/Kultur-und-Kreativwirtschaft/solo-selbststaendige.html
  6. Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). (2015). Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: Empfehlungen und Praxisbeispiele. Abgerufen vonhttps://www.zqp.de/publikationen/
  7. Kuhlmey, A., et al. (2023). Pflegende Angehörige in Deutschland: Vereinbarkeit von Pflege und Erwerbstätigkeit. Bundesgesundheitsblatt, 66, 123–134. doi:10.1007/s00103-023-03645-7
  8. Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA). (2020). Pflegende Angehörige in Deutschland – Fact Sheets und Datenübersicht. Abgerufen vonhttps://www.dza.de/forschung/alte-menschen-und-gesellschaft.html
  9. Robert Koch-Institut (RKI). (2020). Pflegende Angehörige in Deutschland – GBE kompakt. Abgerufen vonhttps://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/Gesundheitsberichte/Gesundheitsberichtliche_Lage.html
  10. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM). (2023). Selbstständigkeit in Deutschland: Geschlechter- und Branchenverteilung. Abgerufen vonhttps://www.ifm-bonn.org/statistiken/selbststaendige/




Dieser Beitrag entstand mit Recherche-Unterstützung von KI, wurde aber mit Herz und menschlichem Verstand geschrieben.